An Tagen wie diesen

Über die Online-Angebote der Stiftung wurde auch Michaela Schäfer aus Bonn auf die Trauergruppen aufmerksam. Ihr Mann Kai starb im März vergangenen Jahres mit 45 Jahren plötzlich an einem Aortenaneurysma. „Ich hatte zeitnah den starken Wunsch, mich auszutauschen“, sagt sie. Die örtlichen Trauergruppen hätten jedoch kaum ihre Lebensrealität widergespiegelt: „Die meisten Betroffenen waren über 75 Jahre alt und hatten ein langes Leben mit ihren Liebsten.“

Junge Verwitwete seien mit ganz spezifischen Fragen konfrontiert, sagt Trauergruppenleiterin Alice Werle: „Das ganze Leben muss neu sortiert werden und wichtige Entscheidungen müssen plötzlich alleine getroffen werden, gerade wenn auch noch Kinder im Spiel sind.“ Nach Schätzungen der Nicolaidis YoungWings Stiftung gibt es deutschlandweit 500.000 Witwen und Witwer unter 50 Jahren. Das Statistische Bundesamt geht derzeit von 29.554 Todesfällen in der Altersspanne bis 50 Jahren im Jahr 2023 aus.

Im Todesfall können neben Bestattungsunternehmen, Ärzten oder Kirchengemeinden auch private Trauerbegleiter eine der ersten Anlaufstellen für Gespräche sein. „Dabei ist Trauerbegleiter keine geschützte Berufsbezeichnung“, erklärt Marei Rascher-Held vom Bundesverband Trauerbegleitung. Auf der Homepage des Verbandes sind Qualitätsstandards für das Berufsfeld und Ansprechpartner aufgeführt. In einigen Fällen könne auch eine Psychotherapie zur Trauerbewältigung helfen. Vereine wie jungverwitwet.de, Gedankenschiff.de oder das Institut für Trauerarbeit sowie kirchliche Hilfsorganisationen wie die Caritas, die Johanniter oder der Malteser Hilfsdienst bieten ebenfalls Unterstützung.

Rascher-Held betreut unter anderem ein Trauer-Café in einer evangelischen Pfarrgemeinde in Karlsruhe. Für Angehörige hat die psychologische Beraterin einen wichtigen Tipp: „Die Hinterbliebenen fühlen sich oft verlassen von den Menschen, die sich nicht melden.“ Floskeln wie „Melde dich, wenn du etwas brauchst“, bezeichnet sie als „trostlosen Trost“, da Trauernde oft nicht die Kraft hätten, darauf einzugehen.

Das gelte auch für Jahrestage oder den Valentinstag, ergänzt Alice Werle: „Angehörige können nachfragen, wie die Person den Tag verbringen möchte. Wichtig sei das konkrete Angebot.“ Sensibilität sei auch am Arbeitsplatz gefragt. Einige Trauernden sähen im Job eine Ablenkung, andere wollten in ihrer Trauer wahrgenommen werden. Eine Frage nach den Freizeit-Plänen sei besser, als unbedacht ein „Schönes Wochenende“ zu wünschen.

Gerade an Sonntagen freut sich auch Michaela Schäfer über spontanen Besuch. Die typischen Familientage seien schwierig, sagt sie. Über Weihnachten und Silvester sei sie deshalb in den Urlaub gefahren. Dem Valentinstag aber sieht sie relativ gelassen entgegen. „Da hilft, dass wir beide keine romantischen Typen waren.“ Den ersten Todestag ihres Mannes im März möchte sie groß begehen und gleichzeitig ihren 45. Geburtstag feiern, mit Freunden und Familie. Ein individueller Tag der Liebe, um an Kai zu erinnern.

Für Silke Wippenhohn haben die kleinen Aufmerksamkeiten ihres verstorbenen Mannes am 14. Februar dem Valentinstag eine neue Bedeutung gegeben. „Früher war es für mich nur ein kommerzieller Tag, der vom Handel erfunden worden ist“, gibt sie zu. Jetzt nutzt sie den Tag gerne, um eine Kerze anzuzünden, in Erinnerung an 19 gemeinsame Jahre.

Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland: Nachrichten ( https://www.ekd.de/rss/editorials.xml?)
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Dieser Beitrag verfällt am 9. August 2024.

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