29.04.2021 Feueralarm im Ulmer Münster

Interview mit Dekan Ernst-Wilhelm Gohl

Ein Brand im Ulmer Münster wäre dramatisch. Am Abend des 28. April sah es kurz danach aus. Mehrere Bürger hatten der Feuerwehr Rauch am Turm gemeldet. Der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl erzählt in unserem Interview, was passiert war und wie er den Abend erlebt hat.

Feuer im Turm des Ulmer Münsters? Zum Glück nicht, wie die Feuerwehr feststellen konnte.Ernst-Wilhelm Gohl

Wer davon hört, hat sofort die schlimmen Bilder des Brandes in Notre Dame de Paris von 2019 vor Augen: Ein Feuer im Ulmer Münster? Deutschlands höchster Kirchturm in Flammen? Zum Glück nicht, aber die Feuerwehr musste gleichwohl mit Löschfahrzeugen, Drohnenstaffel und Höhenrettungsgruppe anrücken, nachdem Bürger Rauch an dem Wahrzeichen gemeldet hatten. Von innen und außen untersuchten die Brandbekämpfer den 161 Meter hohen Turm mit Wärmebildkameras.

In unserem Interview erzählt der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, was passiert war.

Ernst-Wilhelm Gohl, der Dekan von Ulm, hat der Feuerwehr die Münstertüren aufgeschlossen.

Wie haben Sie den Feueralarm erlebt?

Ich war in der Stadt unterwegs zu einem Termin und bekam mit, wie eine Reihe von Feuerwehrfahrzeugen Richtung Münsterplatz gefahren ist. Dort kam mir schon ein Feuerwehrmann entgegen, den ich gut kenne. In diesem Moment rief dann auch die Polizei an, um Bescheid zu geben. Mehrere Bürger hatten die Polizei alarmiert. Für diese Wachsamkeit der Menschen sind wir sehr dankbar.

Welche Bilder gehen einem in so einem Moment durch den Kopf?

Viele mussten natürlich sofort an die Katastrophe von Notre Dame in Paris denken, als sie vom Alarm hörten. Bei mir war das nicht so. Ich konnte vom Münsterplatz aus keinen Rauch sehen, und ich wusste ja, dass der Dachstuhl im Turm aus Stahl gebaut ist. Dort oben kann eigentlich kaum etwas brennen. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn mich der Anruf zuhause erreicht hätte.

Die Feuerwehr rückte mit schwerem Gerät und 40 Einsatzkräften an.Ernst-Wilhelm Gohl

Sie konnten der Feuerwehr die Tür aufschließen, weil Sie gleich vor Ort waren. Wie wäre das sonst abgelaufen?

Es gibt einen ausgefeilten Alarmplan für solche Fälle, und der hat auch bestens funktioniert. Noch am Tag zuvor hatte die Feuerwehr im Münster geübt, auch die Höhenrettung am Turm. Deshalb wusste jeder genau, was zu tun war. Alle haben toll gearbeitet und ruhig und besonnen agiert.

Es geht eng zu im Treppenhaus des Münsterturms.Ernst-Wilhelm Gohl

Gibt es bei der Feuerwehr „Münsterspezialisten“?

Alle Einsatzkräfte sind mit der Kirche vertraut. Aber besonders gut kennen sich die Spezialisten der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr aus, die regelmäßig am Münster übt. Zudem gibt es in speziellen Feuerwehrschränken Wegepläne für den Ernstfall.

Sind Sie eigentlich ständig in Habachtstellung und Alarmbereitschaft?

Nein, aber wir sind es ja gewohnt, dass immer wieder mal etwas passiert, zum Beispiel dass sich ein Stein oder ein Stück Putz löst und herunterfällt. 100-prozentige Sicherheit ist nicht möglich. Wir sind nicht der liebe Gott, aber wir tun das Menschenmögliche, um das Münster und die Menschen zu schützen.

Wissen Sie inzwischen, was die Bürger beobachtet hatten, die die Feuerwehr angerufen haben?

Es hat nichts gebrannt. Wir vermuten, dass sich in der warmen Luft in Kombination mit den noch sehr kalten Mauern eine Kondensat-Wolke gebildet hat, die in einer bestimmten Beleuchtung durchaus wie Rauch wirken konnte.


Das gotische Ulmer Münster, Wahrzeichen der Stadt, wurde in zwei Etappen erbaut: von 1377 bis 1543 und nach einer langen Pause wieder von 1844 bis 1890. Das Münster ist Deutschlands größte evangelische Kirche und hat mit über 161 Metern den höchsten Kirchturm der Welt.

Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg ( https://www.elk-wue.de/index.php?type=13)
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